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Im Jahre 1833 wird in Hannover nach langwierigen Verhandlungen zwischen Krone und Ständen ein neues Staatsgrundgesetz verkündet, das eine vergleichsweise liberale Handschrift und konstitutionelle Züge aufwies, die Macht des Monarchen also durch dir Rechte einer Ständeversammlung beschränkt.
1837 kommt es aufgrund der unterschiedlichen Erbfolge in England und Hannover(in Hannover kann nur ein männlicher Monarch den Thron besteigen) zur Auflösung der Personalunion mit England. In England kommt Königin Viktoria auf den Thron, in Hannover König Ernst-August.
Ernst-August, mit der festen Absicht die monarchistische Machtvollkommenheit zu restaurieren, hebt die 1833 gewährte Verfassung wieder auf und ordnet Wahlen zur Ständeversammlung nach der Verfassung von 1819 an.
Die sieben Göttinger Professoren: Jakob und Wilhelm Grimm, Friederich Christoph Dahlmann, Georg Gottfried Gervinius, Heinrich Ewald, Wilhelm Albrecht und Wilhelm Eduard Weber verweigern die Teilnahme an der Wahl, protestieren und werden abgesetzt. Ihnen wird vorgeworfen , die Protestation nicht nur unterschrieben zuhaben, sondern auch verbreitet zu haben und dafür verantwortlich zu sein, daß ihr Wortlaut in Deutschland in Tausenden von Exemplaren kursierte. (In Wahrheit kommt dieses dem Verdienst von Göttinger Studenten zu, die in unermüdlicher Abschreibarbeit Freunde, Verwandte und Zeitungsredakteure mit dem Text der Protestation versorgten). Drei von den Professoren werden sogar des Landes verwiesen. Am 17. Dezember sie in Witzenhausen mit großem Bahnhof verabschiedet, während 300 eilig in Göttingen zusammengezogene Bewaffnete die Studenten in Schach halten. Für die „Göttinger Sieben“ begann eine bewegte Zeit. Sie wurden überhäuft mit Zustimmungsadressen und Ehrenbezeugungen, ihre populären Konterfeis schmückten Pfeifenköpfe und Kinderspielzeug, ein Hamburger Reeder taufte sein neu vom Stapel laufendes Schiff „Dahlmann“. Und- so etwas hatte es in Deutschland noch nicht gegeben- überall in den deutschen Städten schlossen sich die Bürger zu „Göttinger Vereinen“ zusammen und machten es zu ihrer Aufgabe, den Sieben bis zu ihrer Wiederanstellung durch Geldspenden ihr Gehalt zu sichern.
Trotz eines Sturms der Entrüstung der durch die Bevölkerung ging, sollte es fünf Jahre dauern bis auch der letzte von ihnen wieder eine Anstellung an einer deutschen Hochschule erhielt.
Durch die Protestation und Entlassung der sieben Göttinger Professoren waren die Hochschullehrer als bürgerlich-liberal denkende und politisch Verantwortung übernehmende Kraft ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gerückt. Das beherzte Eintreten der Göttinger Sieben für Moral und Recht in der Politik verschaffte dem Professorenstand das Ansehen einer wichtigen Instanz im Kampf um die bürgerliche Emanzipation. Die beiden großen Germanistentage von 1846 und 1847, deren Vorsitz Jakob Grimm wie selbstverständlich inne hatte, erhielten die Bedeutung von Vorparlamenten für die Frankfurter Nationalversammlung. In der Paulskirche waren die Gelehrten 1848 zahlreich vertreten. Jakob Grimm saß auf einem Ehrenplatz zwischen den Fraktionen, Dahlmann, Albrecht und Gervinius waren an den gesetzgebenden Initiativen des Parlaments maßgeblich beteiligt.
Göttingen dagegen trug zu dieser Zeit noch schwer an den Folgen der Entlassung. Die Universität hatte sieben ihrer bedeutendsten Lehrer verloren, auf deren verwaiste Lehrstühle sich kein Gelehrter von Rang berufen ließ, sie hatte ihren bis dahin hervorragenden Ruf verspielt, und so gingen die Studentenzahlen in den folgenden Jahren drastisch um fast die Hälfte zurück. Dem Ruf, der die Georgia Augusta 1848 sanieren und die Sieben hier wieder zusammenführen sollte, folgte nur Ewald, der gebürtiger Göttinger war, und Weber, aus Freundschaft zu Gauß.

