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Studentische Koporationen haben ihren Ursprung in den Nationes, Provinzen oder Bursen des 12. bis 15. Jahrhunderts. Sie sind so alt, wie die Hochschulen selber und auf das engste mit diesen verbunden.
Vom 15. Bis 18. Jahrhundert ist die Landsmannschaft, der Zusammenschluß von Landsleuten, die einzige, typische studentische Vereinigung an den Universitäten des Reiches. Sinn dieser Gemeinschaft war eine enge selbstverwaltende Einheit zwecks Interessenvertretung. Kennzeichnend für die Landmannschaften war die territorial gebundene Zusammensetzung. Es gab weder das Lebensbundprinzip, noch Altherrenschaften!
Die Mitte des 18. Jahrhunderts beginnende Zeit der Aufklärung hatte auch Folgen für das studentische Gemeinschaftsleben. Hiernwaren es besonders die Freimaurer, welche zum Vorbild genommen wurden. So entstanden an fast allen Universitäten Orden wie z.B. die „Constantisten“, „ Unitisten“ oder „Amicisten“. Diese waren es auch, die das Lebensbundprinzip einführten.
(Göttinger „Konkordinerorden“ von 1770 mit Albrecht Thäer und Freiherr Adolf von Knigge)
1793 wurden auf dem Regensburger Reichstag alle geheimen studentischen Verbindungen verboten. Dieses Verbot zeigte zwar nicht den gewünschten Erfolg, allerdings hatten sich Orden und Landsmannschaften wohl überlebt und verschwanden um die Wende zum 19. Jahrhundert.
Aus diesem Gedankengut entstanden um 1800 neue Verbindungarten, die sich zunächst „Kränzchen“, später wieder Landmannschaft nannte. Von den Orden wurde neben einer gewissen Förmlichkeit auch das Lebensbundprinzip übernommen.
Die „napoleonischen“ Kriege und die vorhergehende französische Revolution bewirkten eine Umschichtung auf allen Gebieten. Es ensteht ein umfassender Begriff „Vaterland“. Hier war für die Landmannschaften alter Prägung kein Platz mehr und an ihre Stelle traten die Burschenschaften, ursprünglich „Wehrschaft“ genannt.
Es kommt zur Gründung der Urburschenschaft „Germania Jena“, am 18. Oktober 1817 [ Dritter Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig] auf der Warthburg. Unter Anderen aus Mitgliedern des Lützower Jägercorps, das unter den Bannerfarben „Schwarz-rot-gold“ gegen die Franzosen gekämpft hatte.
Die Bewegung findet viele Nachahmer, wird jedoch von radikal Elementen gestört. Dies gipfelt 1819 in dem Mord an dem deutschen Dichter und Geheimberichterstatter des russischen Zaren August von Kotzebue durch den Studenten Karl Ludwig Sand. Kotzebue hatte den natinal-liberalen Gedanken verspottet.
Noch im gleichen Jahr verkündete der „Hardliner“ der radikal-reaktionären Politik, Fürst von Metternich in den sogenannten „Karlsbader Beschlüssen“ die Staatsgefährlichkeit der Burschenschaften, welches Verbot und Verfolgung nach sich zog. Die Burschenschaften bestanden jedoch heimlich weiter.
Im Jahre 1833 versuchten Burschenschaften mit dem „Frankfurter Wachesturm“ eine provisorische Regierung zu errichten. Seinen Ursprung hatte dieser Akt im „Hambacher Fest“ 1832, wo als Ausdruck allgemeiner Unzufriedenheit die politische Einheit Deutschlands und Volkssouveränität gefordert wurde.
Die weiterhin existierenden Burschenschaften trafen sich 1848 zum zweiten Warthburgfest, wo aber keine Einigung erzielt wurde. Die Urburschenschaft zersplitterte. In dieser Zeit bilden sich neue Korporationen, deren Betonung auf eigenidiologischen Prinzipien liegt:
- Neue Landmannschaften (Reformlinie)
- Neue Burschenschaften (liberale Linie)
- Turnerschaften (körperliche Ertüchtigung)
- Sängerschaften u.a. musische Verbindungen
- Corps (aristokratische Linie)
- Fachgilden /-verbindungen
- Christliche Verbindungen (konfessionelle oder interkonfessionelle Linie)
Zwischen 1844 und 1896 bildeten diese Gruppierungen übergeordnete Verbände:
- 1844 Wingolfbund
- 1848 Kösener Senioren-Convents-Verband
- 1853 Unitas
- 1856 Cartellverband der kath. Dtsch. Studentenverbindungen
- 1863 Weinheimer Senioren-Convent
- 1867 Deutsche Landsmannschften
- 1872 Vertreterconvent der Turnerschaften
- 1881 Kyffhäuserverband
- 1882 Verband Akademisch-landwirtschaftlicher Vereine
- 1896 Deutsche Sängerschaft
Den Korporationen blieben trotz allem gemeinsame Grundsätze:
Idealismus, Individualismus und das Sittengesetz im weitesten Sinne des Wortes.
Von Anfang an haben alle Studentenvereinigungen den Wunsch nach einem Lebensideal, hoher Moral und Ethik. Die Ideen konzentrieren sich im 18 Jahrhundert auf den „Kant`schen Imperativ“. Im 19. Jahrhundert werden sie durch die verbandsspezifischen Wahlsprüche widergespiegelt. Durch den ertsen Weltkrieg kommt das Korporationsleben nahezu zum erliegenlebte aber nach dem Krieg wieder auf. In den Wirren der ersten Nachkriegsjahre wurden ab 1918 studentische Kompanien aufgestellt. Diese bestanden zum Großteil aus korporierten Studenten.(Einsatz während des„Spartakistenaufstand in Berlin“)
Am 8. August 1918 kam es dann zur Gründung des „Deutschen Waffenringes“. Die Abkapselung der Korporationen bzw. der Korporationsverbände untereinander führte zur Selbstüberschätzung der eigenen Bedeutung und hatte zur Folge, das ganze Verbände sich mit „tierischen Ernst“ gegenseitig in Verruf brachten. Diese Periode ist des Korporationslebens ist eines der unerfreulichsten
Kapitel in ihrer Geschichte.
Mit der Gründung des „Allgemeinen Deutschen Waffenrings“ gelang es, die Gegensätze der großen Verbände untereinander auszuräumen. Eine Ergänzung dieses Bündnisses brachte das „Erlangener Ehrenabkommen“ vom 30.11.1921.
(Für unseren eigenen, alten Dachverband, dem „Verband akademisch-landwirtschaftlicher Verbindungen an deutschen Hochschulen“, dem über 20 Verbindungen angehörten war es, trotz schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse eine Blütezeit, in der viele eigene Verbindungshäuser erbaut wurden und die Mitgliederzahlen hoch waren.)
Als dann der Nationalsozialismus in Deutschland Einzug hielt ging es den Korporationen zunehmend schlechter. Der Zwang, „Führerprinzip“ einzuführen, stieß auf imensen Widerstand. Zunächst duldeten die Korporationen die Einschränkungen durch des Nationalsozialismus. Führer wurden in die Verbände deligiert und „Kameradschaftshäuser“ geschaffen. Dann ereignete sich das, was als „Heidelberger Spargelessen“ berühmt wurde:
Am 21. Mai 1935 betraten Angehöride des C! Saxo-Borrusia ein Heidelberger Lokal, während einer Führerrede und störten durch lautes Gegröhle. Später rätselten sie, wie der Führer wohl Spargel esse. Diese Vorfälle gaben en Anlaß für eine allgemeine Hetze gegen Korporationen. Unter dem Druck der NS lösten sich diese nach und nach auf.
Der 8. Mai 1945 war dann auch für die Korporationstudenten die „Stunde Null“!
Trotz fehlender personeller und materieller Voraussetzungen wurden bald wieder die ersten Kontakte aufgenommen.(Teilweise hatten Korporationen auch unter dem Deckmantel der Kameradschaften weiterexistiert)
Es dauerte jedoch Jahre, bis sich die Korporationen wieder vollkommen etabliert hatten. Viele Verbindungen aus den ehemaligen Ostpreußen, Pommern, dem Gebiet der neu entstandenen DDR und dem einstigen Sudetenland suchten und fanden in der Bundesrepublik Deutschland eine neue Heimat. Das Korporationsleben blühte wieder auf – bis zu den Studentenunruhen 1967/68. In den ersten Jahren nach`67 sah es so aus, als sei das Ende der Korporationen gekommen. Sie mußten teilweise mit drei Aktiven den Couleurbetrieb aufrecht erhalten. Die fehlende Bereitschaft, Pflichten zu übernehmen, sorgte für große Nachwuchssorgen.
Nach wenigen Jahren jedoch hatten sich die Korporationen wieder gefangen. Auch im heutigen Hochschulwesen haben studentische Verbindungen mit Vorurteilen und Übertreibungen zu kämpfen. Wie ihre Stellung in der Gesellschaft und ihre Entwicklung aber beweisen, gelingt es ihnen immer wieder, diese Scheinargumente „ad absurdum“ zu führen.
Von der Gültigkeit ihrer Grundsätze überzeugt werden sich die Korporationen heute wie morgen an den Hochschulen verwirklichen.

